RIP Raymond Gurême!

Unser Held & Zeitzeuge vom Holocaust ist verstorben.

Fight like Raymond Gureme (Eine Illustration von Anna Rabko)
Illustration von Anna Rabko

Am 24. Mai 2020 ist der Zeitzeuge vom Holocaust Raymond Gurême verstorben. Um seinen Werdegang zu ehren, habe ich eine Kurzform seiner Biographie zusammen gefasst.

Raymond Gurême wurde am 11. August 1925 in der nähe von Paris in einer Manouches-Familie geboren. In seiner Kindheit war er mit seiner Familie in West und Zentralfrankreich unterwegs, weil sie einen kleinen Zirkus besaßen. In den 30er Jahren schränkte die französische Regierung die Bewegungsfreiheit immer wieder ein. Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges, wurde in April 1940 das „Herumziehen“ ganz verboten, was die Arbeit für seine Familie des Zirkuses schwer ermöglichte. In Oktober 1940 wurde die gesamte Familie von der französischen Polizei verhaftet und im naheliegenden Lager Darnetal deportiert. Einen Monat später wurde Raymond´s Familie in das Internierungslager Linas-Montlhery eingewiesen. Dort herrschte eine große Nahrungsknappheit und schlimme hygienische Zustände. Im Sommer 1941 entkam Raymond Gurême in die Bretagne, wo er unerkannt auf Bauernhöfen arbeitete. Er kehrte immer wieder nach Linas zurück um Lebensmittel in das Lager zu schmuggeln. Das Lager in Linas wurde im April 1942 aufgelöst. Die Gefangenen wurden erst zum Lager Mulsanne gebracht, danach nach Montreuil-Bellay verlegt. Montreuil Bellay war im besetzten Frankreich das größte sogenanntes „Nomadenlager“. Die Minderheit der Sinti und Roma wurde damals als Nomaden stigmatisiert. Auch dort gelang es Raymond seine Familie mit Schmuggelware zu versorgen. Im August 1943 wurde er von der französischen Polizei verhaftet und zur Zwangsarbeit in hessische Heddernheim interniert. Danach wurde er nach Oberursel im Zwangsarbeitslager deportiert. Raymond Gurême gelang es im Juni 1944 nach Frankreich zu fliehen. In Frankreich schloss er sich der Resistance an, mit der er an der Befreiung von Paris mitwirkte.

Nach dem Krieg suchte er seine Familie, doch erst 1950 konnte er seinen Vater und andere Familienmitglieder in Belgien finden. In den späten 60er Jahren ließ er sich mit seiner gegründeten Familie auf einem Stück Land gegenüber des früheren Lagers Linas-Montlhery nieder. Seine Erklärung dafür war, dass er an diesem Ort die Präsenz seiner Eltern spüren konnte. Aber er sieht sie auch als eine Art Widerstand: „ganz in der nähe des Ortes, wo er und so viele andere interniert waren, steht er Heute mit einer 200-köpfigen Familie vor.“ Erst im Jahre 1976 erfuhr er dank einer Sinti und Roma NGO, dass er Anspruch auf den Status eines politischen Häftlings habe. Doch erst 2009 wurde sein Antrag bewilligt.

Nach der Veröffentlichung seines Buches „Interdit aux nomades„, wurde er 2012 vom französischen Kulturminister zum „Chevalier des Arts et Lettres“ ernannt. Dieser Staatsorden wurde ihm für seinen Beitrag zum Kampf gegen die Diskriminierung der Sinti und Roma verliehen.

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Ein Beitrag von Sejnur Memisi (romayouthmedia)

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